Allergien bei Kindern

Jedes sechste Kind in Deutschland leidet an einer Allergie.

Allergien bei Kindern können sowohl für die Kinder als auch für ihre Familien belastend sein. Mit mehr als 2,1 Millionen betroffenen Kindern und Jugendlichen in Deutschland gehören allergische Erkrankungen zu den häufigsten gesundheitlichen Beeinträchtigungen Heranwachsender. Symptome wie juckende, tränende Augen oder verstopfte Nase können ihre Teilnahme an Freizeitaktivitäten wie Spielen und Sport sowie ihre Gesundheit langfristig beeinträchtigen.

Allergien sind unberechenbar. Sie können sich mit der Zeit verschlechtern oder es können weitere Allergien hinzukommen. Wenn dein Kind eine Allergie hat, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass es weitere Allergien entwickelt. Es kann auch an allergischem Asthma erkranken. Daher ist es wichtig, Allergien bei Kindern frühzeitig zu diagnostizieren und zu lernen, wie sie nachhaltig behandelt werden können.

Mit dem Wissen über ihre Allergie, einem Allergiemanagementplan und der richtigen Behandlung führen viele Kinder mit Allergien ein normales, glückliches Leben. Und das gilt auch für ihre Mütter und Väter, Brüder und Schwestern: Die Lebensqualität deiner Familie muss nicht unter Allergien leiden. Hier erfährst du, was du dazu wissen musst.

Was sind Allergien bei Kindern?

Bei einer Allergie reagiert der Körper deines Kindes übermäßig stark auf eine eigentlich harmlose Substanz. Das Immunsystem sieht in Pollen, Hausstaubmilben, Lebensmittelbestandteilen und anderen Auslösern (Allergene) also fälschlicherweise eine Bedrohung.  Nach einem Erstkontakt mit dem Auslöser (Sensibilisierungsphase) werden Eiweißmoleküle, auch Immunglobulin-E-Antikörper (IgE) genannt, gebildet. Trifft die Immunabwehr dann erneut auf den gleichen Auslöser, geht es in die Verteidigung und tut alles, damit Allergene beseitigt und unschädlich gemacht werden.

Ähnlich wie beim Kontakt mit Erkältungsviren kann es nun zu typischen Symptomen wie einer laufenden Nase, vermehrtem Niesen oder Husten kommen (Allergie).

Allergien können das tägliche Leben von Kindern stark beeinträchtigen. Vielleicht kann dein Kind nicht so viel Zeit im Freien verbringen oder das Haustier haben, das es sich wünscht. Dein Kind könnte Schwierigkeiten haben, sich in der Schule zu konzentrieren, was zu schlechteren Noten führt. Auch auf das soziale Leben und das psychische Wohlbefinden kann sich eine Allergie auswirken. Und in manchen Fällen können Allergien, insbesondere gegen Lebensmittel und Insektenstiche, lebensbedrohlich sein.

Mädchen im gelben T-Shirt schnäuzt sich die Nase, während ihre Mutter den Arm um sie legt

Warum bekommen Kinder Allergien?

Eine Reihe von Theorien versucht, die hohe Prävalenz von Allergien, insbesondere in der westlichen Welt, zu erklären. Die Hygienehypothese besagt, dass eine übermäßig saubere Umgebung das Allergierisiko erhöhen kann. Die Idee ist, dass ein Mangel an Kontakt mit verschiedenen Mikroorganismen (Bakterien, Pilze oder Würmer) dazu führt, dass das Immunsystem nicht mehr ausreichend beschäftigt wird und sich stattdessen auf die Ausbildung von allergischen Erkrankungen konzentriert. Auch der übermäßige Einsatz von Antibiotika wird mit der Zunahme von Allergien in Verbindung gebracht.

In der Tat sind die Gründe, warum ein Kind auf eine Substanz mit Allergiesymptomen reagiert und ein anderes nicht, komplex und nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch anerkannte Risikofaktoren für die Entwicklung von Allergien. Dazu gehören:

Familiengeschichte und Gene

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind eine Allergie entwickelt, ist viel größer, wenn auch die Mutter oder der Vater unter einer Allergie leidet:

  • Das Risiko liegt bei 60 bis 80 Prozent, wenn beide Elternteile dieselben Allergien haben,
  • 20 bis 30 Prozent, wenn ein Elternteil betroffen ist,
  • nur 12 Prozent für ein Kind in einer Familie ohne Allergien.

Bei manchen Kindern funktioniert die natürliche Barriere der Haut nicht so gut wie sie sollte, so dass Allergene leichter in den Organismus eindringen und zur Sensibilisierung führen können. Wissenschaftler haben dies bereits bei Kindern mit atopischer Dermatitis und Allergien beobachtet.

Lebensstil und andere Faktoren

Zu den umweltbedingten Risikofaktoren für die Entwicklung von Allergien gehören:

  • Exposition gegenüber Zigarettenrauch, auch Passivrauchen im Mutterleib oder nach der Geburt
  • frühe Gabe von Kuhmilch-basierter Formula-Nahrung direkt nach der Geburt ohne medizinische Begründung
  • Diäten während der Schwangerschaft (Ausnahme: medizinisch Notwendige)
  • bestimmte Erreger von Atemwegsinfektionen bei Säuglingen
  • Leben in städtischen Gebieten, insbesondere in der Nähe stark befahrener Straßen

Kann man verhindern, dass ein Kind Allergien entwickelt?

Ob ein früher Kontakt mit Allergenen nützlich sein kann, ist ein weiteres Diskussionsthema.

Der Kontakt mit Allergenen in der Luft wie Pollen, Tierhaare oder Hausstaubmilben kann dein Kind sensibilisieren  und ist der erste Schritt zur möglichen Entwicklung einer Allergie. Einige Forscherinnen und Forscher sind jedoch der Meinung, dass der frühe Kontakt mit Tieren sogar hilfreich sein kann. Kinder, die in einem Haushalt mit Haustieren leben, sind weniger sensibilisiert – und zwar nicht nur gegenüber diesen Tieren, sondern auch gegenüber Pollen. Mehrere Haustiere zu Hause könnten einen noch größeren Schutz bieten. Es scheint, dass eine frühe Exposition die Entwicklung des Immunsystems beeinflussen kann. Studien zeigen, dass insbesondere Hunde im Haushalt einen protektiven Effekt auf Allergien bei Kindern haben können. Bei vorbelasteten Kindern empfiehlt es sich jedoch auf die Neuanschaffung einer Katze eher zu verzichten.

Es wird inzwischen vermutet, dass das Immunsystem Erdnüsse und andere typische Nahrungsmittelallergene (Ei, Karotten, Sellerie und Nussprodukte) eher akzeptiert, wenn das Kind etwa ab dem sechsten Lebensmonat oder sogar früher, mit diesen Substanzen häufig und regelmäßig in Berührung kommt. Sprich aber immer zuerst mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Infografik über den allergischen Marsch, die beschreibt, wie allergische Erkrankungen miteinander verbunden sind und sich im Laufe der Zeit entwickeln können. Kinder mit Ekzemen etwa erkranken mit größerer Wahrscheinlichkeit an Nahrungsmittelallergien, an Allergien der Atemwege und sogar an Asthma. Details der Infografik findest du unten
Infografik über den allergischen Marsch, die beschreibt, wie allergische Erkrankungen miteinander verbunden sind und sich im Laufe der Zeit entwickeln können. Kinder mit Ekzemen etwa erkranken mit größerer Wahrscheinlichkeit an Nahrungsmittelallergien, an Allergien der Atemwege und sogar an Asthma. Details der Infografik findest du unten

Wie sich Allergien bei Kindern verändern können

Die Art und Weise, wie sich allergische Erkrankungen im Laufe der Zeit entwickeln können, wird als allergischer Marsch oder atopischer Marsch bezeichnet. Er beginnt in der Regel mit Ekzemen oder atopischer Dermatitis und Hautreizungen im frühen Säuglingsalter. Bei Babys mit Ekzemen ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass sie auch auf Nahrungsmittel allergisch reagieren, wenn sie beginnen, feste Nahrung (Beikosteinführung) zu sich zu nehmen. Im Schulalter können sie dann Atemwegsallergien und allergisches Asthma entwickeln.

Dass sich die Auslöser und Symptome der Allergie ständig verändern können, macht das Leben mit Allergien nicht gerade einfacher. Allergien gegen bestimmte Nahrungsmittel (insbesondere Milch und Ei) verschwinden manchmal, wenn die Kinder älter werden - andere hingegen eher nicht (insbesondere Nüsse und Fisch). Atemwegsallergien hingegen können chronische oder sogar lebenslange Beschwerden verursachen. Es ist wichtig, dass du die Allergiesymptome deines Kindes genau beobachtest und deine Ärztin oder deinen Arzt über jede Veränderung oder Zunahme der Symptome informierst, damit dein Kind die notwendige Hilfe erhält.

Was sind häufige Allergien bei Kindern?

Einige Allergien treten deutlich häufiger auf als andere. Dazu gehören:

  • Atemwegsallergien (im Freien): Sie werden auch als saisonale Allergie bezeichnet, weil sie nur in bestimmten Jahreszeiten auftreten. Heuschnupfen ist eine allergische Reaktion auf Gräserpollen, wird jedoch umgangssprachlich oft für alle Auslöser eines allergischen Schnupfens benutzt. Weitere häufige Auslöser in der Luft sind: Baumpollen (z.B. Birkenpollen) und Kräuterpollen (z.B. Ambrosia).
  • Atemwegsallergien (in Innenräumen): Auch bekannt als ganzjährige Allergien. Zu den Auslösern gehören Hausstaubmilben, Tierhaare und Schimmelpilze in Innenräumen.
  • Nahrungsmittelallergien: Eier, Milch, Erdnüsse, Nüsse, Soja, Weizen, Schalen- und Krustentiere (Muscheln, Garnelen Hummer, Garnelen, Krebse) und Fisch.
  • Insektengifte: Bienen, Wespen und andere stechende Insekten können mit ihrem Gift bei Kindern schwere Allergien auslösen. Moskitos und andere Insekten hingegen lösen durch im Speichel enthaltene Eiweiße eher unangenehme oder lästige Lokalreaktionen aus und sind weniger gefährlich.

Allergiesymptome bei Kindern

Jeder Mensch erlebt Allergien anders, und die Symptome sind von Kind zu Kind unterschiedlich. Aber dies sind häufige Anzeichen und Symptome einer allergischen Reaktion.

Führe ein Allergietagebuch, damit du deiner Ärztin oder deinem Arzt genau erzählen kannst, wann die Symptome deines Kindes auftreten und wie stark sie sind. Das wird ihr oder ihm bei der Diagnose helfen.

Symptome einer Allergie der Atemwege

Das Einatmen von Allergenen verursacht in der Regel ähnliche Symptome wie eine Erkältung. Dazu können gehören:

  •  juckende, tränende oder gerötete Augen
  • verstopfte Nase
  • juckende, laufende Nase
  • Niesen
  • Husten

Fieber ist hingegen kein typisches Symptom von Heuschnupfen und anderen allergischen Erkrankungen.

Hast du bei deinem Kind vielleicht schon einmal den sogenannten allergischen Gruß beobachtet? Dabei reibt es die Nase nach oben, was eine horizontal verlaufende Falte auf dem Nasenrücken verursachen kann.

Manchmal können Atemwegsallergien eine lokale Reaktion im Gesicht, im Mund und im Rachen hervorrufen, wenn dein Kind bestimmte Lebensmittel isst. Dies wird als orales Allergiesyndrom (OAS) oder pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie bezeichnet. In Pollen stecken manchmal Eiweißmoleküle (Proteine), die eine ähnliche Struktur wie bestimmte Proteine in Lebensmitteln haben. Das Immunsystem kann hier nicht genau unterscheiden und löst sicherheitshalber bei beiden eine Reaktion (Kreuzreaktion) aus. Sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, um herauszufinden, was die Symptome bei deinem Kind verursacht.

Symptome einer Lebensmittelallergie

Die Symptome einer Lebensmittelallergie treten zeitnah nach dem Verzehr eines problematischen Lebensmittels auf, seltener erst ein paar Stunden danach. Einige Warnzeichen sind:

  • Kribbeln oder Juckreiz im Mund
  • ein erhabener, juckender roter Ausschlag (Nesselsucht) – manchmal kann die Haut auch rot und juckend werden, ohne anzuschwellen
  • Schwellungen im Gesicht, im Mund, im Rachen oder an anderen Körperteilen
  • Schluckbeschwerden
  • Keuchen oder Kurzatmigkeit
  • Schwindelgefühl und Benommenheit
  • Unwohlsein, Übelkeit oder Erbrechen
  • Unterleibsschmerzen oder Durchfall
  • bei kleinen Kindern auch plötzliche, untypische Schläfrigkeit oder unerklärbare Erregbarkeit (Schreien, Nesteln)

Nahrungsmittelallergien sind eine der häufigsten Ursachen für schwere allergische Reaktionen im Kindesalter. Diese lebensbedrohliche Reaktion wird Anaphylaxie genannt.

Symptome einer Insektengiftallergie

Nach einem Insektenstich oder -biss ist es nicht ungewöhnlich, eine erhabene Beule zu bekommen, die auf heller Haut rot, auf dunklerer Haut violett oder braun aussieht und einige Tage lang stark jucken kann. Allergische Reaktionen auf Stiche von Bienen, Wespen und verwandten Insekten können auch zu ausgedehnteren und stärkeren Schwellungen und Rötungen führen. Genau wie Lebensmittelallergien sind Insektengifte häufige Auslöser für eine Anaphylaxie.

Anaphylaxie

Ein anaphylaktischer Schock ist eine schwere systemische allergische Reaktion, die sehr plötzlich auftritt und mit einem rasanten Blutdruckabfall sowie Anstieg der Herzfrequenz einhergeht. Eine Anaphylaxie kann lebensbedrohlich sein und erfordert sofortige medizinische Hilfe.

Wenn du eine mögliche anaphylaktische Reaktion deines Kindes frühzeitig erkennst, kann sich das positiv auf den Verlauf auswirken. Hier sind die häufigsten Anzeichen und Symptome:

  • gerötete oder blasse Haut, kaltschweißig
  • Juckreiz oder ausgeprägte Nesselsucht
  • Anschwellen der Zunge oder des Rachens
  • rasender oder im Verlauf schwacher Puls
  • Durchfall, Unwohlsein oder Übelkeit
  • niedriger Blutdruck (Hypotonie)
  • verengte Atemwege, die zu Keuchen und Luftnot führen können
  • Schwindel oder Ohnmacht
  • bei kleinen Kindern auch plötzliche, untypische Schläfrigkeit oder unerklärbare Erregbarkeit (Schreien, Nesteln)

Lies weiter unten mehr über die Behandlung von Anaphylaxie.

Ein lächelndes Mädchen, das nach einem Termin aufgrund ihrer Allergien mit ihrem Arzt einen Fistbump macht

Allergiediagnose bei einem Kind

Ein Arztbesuch und eine eindeutige Diagnose sind ein wichtiger Schritt bei der Behandlung von Allergien bei Kindern. Während der Untersuchung wird die Ärztin oder der Arzt wahrscheinlich zunächst nach der Krankengeschichte deines Kindes und anschließend nach eurer Familienanamnese fragen. Bereite dich darauf vor, Auskunft darüber zu geben, wann die Symptome auftreten, wie stark sie sind und was sie auszulösen scheint. Führe vor dem Arztbesuch am besten ein Allergietagebuch für dein Kind – so hast du alle wichtigen Informationen parat. Überlege ebenfalls, ob es noch andere Familienmitglieder gibt, die von einer oder mehreren allergischen Erkrankungen (Neurodermitis, allergischer Schnupfen, allergisches Asthma) betroffen sind.

Deine Ärztin oder dein Arzt könnte einen Hautpricktest oder eine Blutuntersuchung vorschlagen. Diese Allergietests helfen bei der Diagnosestellung.

Wie kann man Allergien bei Kindern behandeln?

Wenn dein Kind tatsächlich eine Allergie hat, ist es wichtig, dass du mit der Ärztin oder dem Arzt das weitere Vorgehen besprichst. Die genauen Einzelheiten hängen davon ab, auf welche Auslöser dein Kind allergisch reagiert. Ein Behandlungsplan kann folgende Maßnahmen beinhalten:

  • Meiden der Allergene, wo und wann immer möglich
  • Suche nach den richtigen Mitteln zur kurzfristigen Symptomlinderung
  • Allergie-Immuntherapie, auch Hyposensibilisierung genannt, als einzige Therapie, die das Problem bei der Ursache packt
  • Absicherung von Kindern mit Anaphylaxie-Risiko durch ein Notfallset

Allergene meiden

Den Kontakt zu Allergenen möglichst zu vermeiden, ist ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung einer Allergie. Aber kein Kind möchte, dass man ihm sagt, es müsse im Haus bleiben und dürfe bei hohem Pollenflug nicht im Park Fußball spielen oder Freunde treffen. Hausstaubmilben lieben Kuscheltiere – dass der Teddy deshalb nicht mit ins Bett darf, wird bei deinem Kind auch nicht gut ankommen. Überlege dir, wie du die Sache strategisch angehst und versuche, Kompromisse zu finden oder langfristige Lösungen.

Vielleicht kann das Treffen mit den Freunden in geschlossenen Räumen oder zu einer anderen Zeit stattfinden, wenn der Pollenflug weniger stark ist. Vereinbare für den Teddy einen regelmäßigen Termin in der Waschmaschine (oder eine Runde im Gefrierschrank, wenn er nicht gerne nass wird – beachte hierbei die Waschanleitung).

Auch hinter den Kulissen kannst du einiges tun – je nachdem, unter welcher Allergie dein Kind leidet. Behalte die Pollenflugvorhersage im Auge, verwende milbendichte Bett- und Matratzenbezüge und informiere alle Personen, die dein Kind betreuen, über seine Allergien. Sprich auch mit deinem Kind über seine Beschwerden und ihre Auswirkungen auf euren Alltag.

Ein Mädchen hält sich die Hände vors Gesicht, während ihre Mutter ihr Allergie-Augentropfen gibt, um den Juckreiz zu lindern

Kurzfristige Symptomlinderung

Oft nehmen Kinder die gleiche Art von Medikamenten wie Erwachsene, um ihre Symptome in den Griff zu bekommen. Allergiemedikamente für Kinder gibt es in vielen Formen – zum Beispiel als Tabletten, Tropfen, Sirup, Nasensprays und Cremes. Zu den Allergiemedikamenten gehören Antihistaminika, Kortison und abschwellende Mittel. Die Dosis ist jedoch wahrscheinlich niedriger und die Anweisungen und sonstigen Informationen sind speziell auf Kinder zugeschnitten, so dass du diese sorgfältig lesen solltest, auch wenn du das Medikament bereits kennst. Bitte deine Ärztin oder deinen Arzt oder in der Apotheke um Rat, welche Mittel für dein Kind am besten geeignet sind. Viele Medikamente zur kurzfristigen Linderung von Symptomen sind rezeptfrei erhältlich – andere nur auf Rezept.

Du kannst auch medikamentenfreie Mittel ausprobieren – sie können die Behandlung sanft unterstützen. Salzhaltige Nasensprays sind sinnvoll, um den Schleim zu lösen und zu verdünnen, wenn dein Kind eine verstopfte Nase hat. Sie können dabei helfen, Allergene auszuspülen, und können auch dazu beitragen, dass kurzfristige Allergiemedikamente wie Antihistaminika besser wirken. Juckende Augen kannst du mit Augentropfen lindern.

Das Immunsystem trainieren – mit der Allergie-Immuntherapie

Manchmal kann es trotz aller Bemühungen schwierig sein, die Allergiesymptome deines Kindes unter Kontrolle zu bekommen. In diesem Fall kann eine Allergie-Immuntherapie, auch Hyposensibilisierung genannt, eine Option sein. Die Behandlung steht für viele Auslöser zur Verfügung, z.B. bei Pollen-, Hausstaubmilben- und Insektengiftallergien.

Bei der Allergie-Immuntherapie geht es darum, dem Immunsystem beizubringen, dass das Allergen eigentlich harmlos ist. Durch wiederholte Gaben des Auslösers kann sich das Immunsystem deines Kindes wieder an den Kontakt gewöhnen und lernen, dass beispielsweise Birkenpollen nicht gefährlich sind.

Ziel ist es, die Symptome längerfristig zu lindern und so den Bedarf an Allergie- oder Asthmamedikamenten zu verringern. Schon nach einigen Wochen bis Monaten können sich die Symptome deutlich verbessern.

Die Allergie-Immuntherapie kann in Form von Tabletten, die sich direkt im Mund auflösen, als Tropfen oder als Injektion unter die Haut verabreicht werden – je nach Allergie, Alter und Bedürfnissen deines Kindes und eurer Familie. Oft ist eine Hyposensibilisierung bereits ab 5 Jahren möglich.

Sprich deine Ärztin oder einen Arzt auf diese Möglichkeit an. Wir können dir bei Bedarf auch helfen, eine Allergologin oder einen Allergologen in deiner Nähe zu finden.

Notfallbehandlung bei Anaphylaxie

Wenn die Ärztin oder der Arzt der Meinung ist, dass bei deinem Kind das Risiko einer anaphylaktischen Reaktion besteht, wird sie oder er ihm wahrscheinlich einen Adrenalin-Autoinjektor verschreiben. Dein Kind sollte immer zwei Autoinjektoren bei sich tragen, da eine Dosis nicht immer ausreicht. Wichtig ist ebenfalls, dass nicht nur dein Kind, sondern auch alle Betreuungspersonen den Umgang mit dem Injektor beherrschen. Hierfür gibt es spezielle „Anaphylaxie-Schulungen“. Frage deine Ärztin oder deinen Arzt danach, sofern sie oder er nicht selbst die Schulung durchführt. Auch wenn sich das Kind nach der Injektion besser fühlt, sollte es ins Krankenhaus gebracht werden – denn es ist möglich, dass es zu einer erneuten verzögerten anaphylaktischen Reaktion kommt.

Übe mit einem Übungs-Autoinjektor die richtige Handhabung und zeige die Anwendung auch deinem Kind, wenn es alt genug ist. Es ist auch eine gute Idee, dass dein Kind ein Armband oder ähnliches trägt, das bei Bedarf als Hinweis auf eine mögliche Anaphylaxie dienen kann.

Zwei Kinder, ein Mädchen und ein Junge, marschieren Hand in Hand durch die Heide. Sie scheinen ein Abenteuer zu erleben

Unbehandelte Allergien: Verschlimmerung bis hin zu allergischem Asthma

Gerade bei Kindern ist es wichtig, allergische Beschwerden so früh wie möglich zu behandeln, damit sich die Symptome nicht verschlechtern. Bleiben Allergiesymptome der oberen Atemwege wie ein allergischer Schnupfen längere Zeit unbehandelt, kann es zu einem sogenannten Etagenwechsel kommen. Dann greifen die Beschwerden auf die unteren Atemwege (Bronchien) über, und es kann ein allergisches Asthma entstehen. Ein allergiebedingter Ausschlag bei Kindern birgt ebenfalls das Risiko von Verschlechterungen und Komplikationen, wenn er nicht rechtzeitig behandelt wird. So können durch Juckreiz und Kratzen beispielsweise wunde Stellen auf der Haut entstehen, die sich entzünden.

Zusammenfassung

Allergien bei Kindern sind das Ergebnis eines überaktiven Immunsystems, das versucht, eigentlich harmlose Auslöser zu bekämpfen. Dies kann zu Allergiesymptomen führen. Zu den häufigen Allergieauslösern bei Kindern gehören Pollen, Hausstaubmilben, Schimmelpilze, bestimmte Nahrungsmittel sowie Insektengifte. Atemwegsallergien, die durch Allergene in der Luft ausgelöst werden, verursachen in der Regel eine juckende, laufende oder verstopfte Nase sowie juckende, tränende Augen. Nahrungsmittelallergien können Luftnot und verschiedene Verdauungsbeschwerden hervorrufen. Bei Kindern sind Nahrungsmittelallergien und Insektengiftallergien die häufigsten Ursachen für eine Anaphylaxie, also eine lebensbedrohliche allergische Reaktion.23

Allergien neigen dazu, in Familien gehäuft aufzutreten. Sie beginnen oft mit Ekzemen bei sehr kleinen Kindern und erhöhen das Risiko, Lebensmittelallergien zu entwickeln. Heuschnupfen und andere Atemwegsallergien beginnen in der Regel bei Kindern im Schulalter und können zu allergischem Asthma führen. Dies wird als atopischer oder allergischer Marsch bezeichnet.

Es ist wichtig, dass du deiner Ärztin oder deinem Arzt genau erklärst, welche Symptome dein Kind hat, wie häufig sie auftreten und wie schwer sie ausfallen. Um vorbereitetet in das Arztgespräch zu gehen, macht es Sinn sich bereits vor dem Termin Gedanken über mögliche Auslöser, Beschwerden und damit verbundene Einschränkungen im Alltag zu machen. Das hilft bei der Diagnosestellung und der bestmöglichen Behandlung. Es gibt Medikamente für eine kurzfristige Symptomlinderung und Optionen wie die Allergie-Immuntherapie, welche die Ursache des Problems behandeln.

Alle Eltern möchten, dass ihr Kind gesund und glücklich ist. Du machst dir vielleicht Sorgen, dass dein Kind durch seine Allergie nicht die Freiheit und Unbeschwertheit einer normalen Kindheit erleben kann. Das muss nicht sein. Wenn du denkst, dass dein Kind eine Allergie haben könnte oder wenn die derzeitige Allergiebehandlung nicht genug anschlägt, solltest du um Hilfe bitten.

Du schaffst das!

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Zuletzt medizinisch überprüft am 08.02.2024

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