Albtraum Ambrosia!

Experteninterview mit Allergologen Prof. Dr. med. Jörg Kleine-Tebbe, Berlin

Ambrosia – in der griechischen Mythologie galt der wilde Hanf als Speise der Götter. Heute gilt die Pflanze als wahrer Fluch. Grund dafür: Ambrosia ist hoch allergen. Und sie ist Asthma-auslösend. Warum die Ausbreitung zum Problem werden kann und wie man sich am besten schützt, erklärt Prof. Dr. med. Jörg Kleine-Tebbe, Allergologe aus Berlin.

Allergologe Prof. Dr. Kleine-Tebbe, Berlin

 

Ursprünglich kommt Ambrosia aus Nordamerika. Wie sieht die Situation dort aus?

In Nordamerika gilt Ambrosia bereits seit den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts als eines der wichtigsten Pollenallergene. Programme, mit denen die Ausbreitung dieser Pflanze verhindert werden sollte, verliefen leider erfolglos. Mittlerweile sind – je nach Region – 15 bis 25% der Bevölkerung in den USA sensibilisiert. Damit ist Ambrosia einer der wichtigsten Auslöser für die saisonale Rhinitis und Asthma.

 

 

Wie kommt es, dass die Belastung durch Ambrosia auch in Deutschland rasant zunimmt?

Die Pflanze wurde von Nordamerika auch auf andere Kontinente verschleppt. In Europa, vor allen Dingen in Osteuropa, finden sich ähnliche klimatische Bedingungen wie in den USA und mittlerweile auch größere Ambrosia-Vorkommen. In Deutschland ist die anspruchslose Pflanze vor allem in der Nähe von Flughäfen zu finden. Regional gibt es Schwerpunkte in den neuen Bundesländern, wie z.B. in Brandenburg, aber auch in Bayern. Die Verbreitung liegt vor allem an importiertem Saatgut. Auch über Vogelfutter verbreitet sich Ambrosia seit einigen Jahren stark. Hinzu kommt, dass die Pollen tausende Kilometer weit fliegen können.

 

Aber gibt es wirklich so viele Personen, die gegen Ambrosia allergisch reagieren?

In Deutschland ist das tatsächlich noch eine Minderheit. Meistens machen die Pollen der Ambrosia den Allergikern zu schaffen, die auf Pollen der gewöhnlichen Beifuß-Pflanze reagieren – und umgekehrt. Ob nun Ambrosia oder Beifuß für die Allergiebeschwerden verantwortlich ist, lässt sich sehr gut mit einem spezifischen IgE-Test nachweisen, da die beiden Hauptallergene - Proteine mit dem Namen Amb a 1 und Art v 1 - eine sehr unterschiedliche Struktur haben.

 

Rechnen Sie mit einer Zunahme dieser Allergie in Deutschland?

Eine Verbreitung der Pflanze und eine Zunahme der Allergien auf Ambrosia sind vor allem aufgrund der wärmeren Temperaturen in bestimmten Regionen wahrscheinlich, da sich damit auch die klimatischen Bedingungen für diese Pflanzen hierzulande verbessern.

 

Wann sprechen Sie von einer Allergie auf Ambrosia?

Es ist wichtig, zu unterscheiden, dass ein positiver Allergietest lediglich die Allergiebereitschaft, also die Sensibilisierung auf ein Allergen, aufzeigt. Nur wenn die Anamnese zeigt, dass auch typische Allergiebeschwerden in den Monaten August und September sowie manchmal bis in den Oktober hinein auftreten, sprechen wir von einer Allergie.

 

Wie zeigt sich eine Ambrosia-Allergie?

Es kommt zu den typischen Symptomen eines Heuschnupfens mit Augenjucken, Niesen, Naselaufen und verstopfter Nase, manchmal zusätzlich trockener Husten, vor allem nach Anstrengungen, Engegefühl in der Brust und Schweratmigkeit. Diese Symptome treten vor allem im Spätsommer auf, wenn die Pollenbelastung durch Bäume und Gräser bereits vorbei ist. Bei Ambrosia ist auch die hohe Allergenität der Pflanze ein Problem: Bereits zehn Ambrosia-Pollen pro Kubikmeter Luft können eine Allergie oder Asthma auslösen.

 

Man spricht bei Ambrosia auch von der „Asthma-Pflanze“, wie kommt es dazu?

Da die Pollenbelastung in den USA und die Allergenität der Pflanze so hoch sind, bleibt es bei vielen Allergikern nicht bei einer Entzündung der oberen Atemwege. Die Beschwerden wandern zusätzlich in die unteren Atemwege und können dort eine chronische Entzündung und Asthma auslösen. Tatsächlich gilt Ambrosia in den USA als wichtigster Auslöser für saisonales Asthma.  

 

Wie kann man der Entwicklung von allergischem Asthma vorbeugen?

Eine Vorbeugung gegen Pollenallergene ist generell schwierig. Daher sollten Allergiker auf antiallergische Medikamente zurückgreifen oder eine Hyposensibilisierung bei einer Allergie auf Ambrosia durchführen: Studien zeigen, dass damit die Medikation deutlich verringert werden kann und auch Allergiebeschwerden zurückgehen.

 

Wenn Sie Ambrosia in Ihrem Garten oder auf öffentlichen Grünflächen entdecken, sollten Sie dies dem örtlichen Grünflächen- oder Pflanzenschutzamt melden, damit die Pflanzen sachgemäß entfernt werden. Achtung: die Pflanze kann bei empfindlichen Personen eine Kontaktallergie auslösen. Ein Video, wie Sie die Pflanze am besten entfernen, finden Sie auf der Website pollenstiftung.de.