Das Allergie-Lexikon

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NEURODERMITIS

Neurodermitis ist insbesondere in den Industriestaaten eine weit verbreitete entzündliche Hauterkrankung, von der etwa zehn bis 20 Prozent der Kinder sowie ein bis drei Prozent der Erwachsenen betroffen sind. Sie gilt als nicht heilbar, doch lassen sich die lästigen Symptome in vielen Fällen gut behandeln.

Was ist Neurodermitis?

Neurodermitis ist eine chronische, aber nicht ansteckende Hautkrankheit. Sie zählt zu den sogenannten atopischen Erkrankungen und wird teilweise auch als atopisches Ekzem, atopische Dermatitis oder endogenes Ekzem bezeichnet. Auch die Bezeichnungen chronisch konstitutionelles Ekzem, Asthmaekzem oder Prurigo Besnier sind gelegentlich anzutreffen.

Der Begriff Neurodermitis wurde bereits im 19. Jahrhundert geprägt und spielt darauf an, dass man damals eine Nervenentzündung als Ursache dieser Hautkrankheit vermutete. Auch wenn diese Vermutung inzwischen widerlegt worden ist, ist die Krankheitsbezeichnung weiterhin geläufig.

Welche Ursache hat Neurodermitis und welche Risikofaktoren gibt es?

Die Ursachen für das Entstehen eines atopischen Ekzems konnten bislang nicht vollständig geklärt werden. Die medizinische Wissenschaft geht heute davon aus, dass es sich um ein komplexes Krankheitsgeschehen handelt, das aus einem Zusammenspiel von genetischen Faktoren, Umwelteinflüssen und immunologischen Veränderungen resultiert und dessen Beginn mit einem Defekt der Hautbarriere in Zusammenhang steht.

Teilweise wird das atopische Ekzem auch als psychosomatische Erkrankung betrachtet. Vermutlich reagieren die Betroffenen aufgrund ihrer genetischen Veranlagung auf bestimmte Einflüsse stärker als andere Menschen, doch lässt sich eine eindeutige genetische Disposition bislang nur schwer nachweisen.

Auch für das deutlich häufigere Auftreten des atopischen Ekzems, das heute etwa vier- bis sechsmal mehr beobachtet wird als Mitte des 20. Jahrhunderts, gibt es bislang keine befriedigende Erklärung. Als mögliche Gründe werden veränderte Lebensumstände, häufigere Allergien sowie die verbesserte Hygiene diskutiert.

Welche Symptome treten bei Neurodermitis auf?

Die typischen Symptome eines atopischen Ekzems zeigen sich auf der Haut. Es bilden sich rote, schuppende Ekzeme, die teilweise auch nässen. Zudem klagen die Betroffenen meist über einen starken Juckreiz. Die Erkrankung verläuft allerdings nicht kontinuierlich, sondern schubweise, und das Erscheinungsbild variiert individuell sowie in Abhängigkeit vom Lebensalter.

Einer der zentralen Unterschiede zwischen der Haut eines an Neurodermitis erkrankten Patienten und der Haut eines Gesunden ist die gestörte Barrierefunktion. Die Haut ist daher wesentlich empfindlicher, trockener und oftmals auch gerötet. Typischerweise sind bestimmte Stellen - wie die Haut im Bereich des Gesichts und des Halses sowie Armbeugen und Kniekehlen - zuerst oder am stärksten betroffen.

Der beim atopischen Ekzem häufig auftretende Juckreiz ist nicht nur lästig, sondern vor allem auch deshalb problematisch, weil das als Reaktion darauf erfolgende Kratzen weitere Hautirritationen auslöst. Zudem macht er sich nachts meist besonders stark bemerkbar. Das wiederum beeinträchtigt die Schlafqualität und führt zu Schlafdefiziten. Die daraus resultierende Übermüdung und verminderte Leistungsfähigkeit ist für viele Betroffene eine starke psychische Belastung.

Typischerweise werden die Symptome durch bestimmte Provokationsfaktoren ausgelöst oder verstärkt, die die Haut innerlich oder äußerlich irritieren. Dabei kann es sich um mechanische Reize auf der Haut, beispielsweise durch die Kleidung, um Schweiß, Alkohol, bestimmte Nahrungsmittel oder psychischen Stress handeln.

Wo und in welcher Ausprägung sich die Symptome bemerkbar machen, variiert von Fall zu Fall und auch in Abhängigkeit vom Lebensalter. Eine typische Besonderheit des atopischen Ekzems ist, dass die Symptome meist schubweise auftreten, wobei die einzelnen Schübe sich nach Dauer und Stärke erheblich voneinander unterscheiden können. Für das Auftreten eines neuen Krankheitsschubes gibt es in der Regel keinen direkt erkennbaren Grund, - ebenso wenig wie für das oft unvermittelt eintretende Ende eines Schubes.

Besonderheiten der Symptome:

  • treten meist schubweise auf
  • Schübe können unterschiedlich lang und stark sein
  • Schübe treten oft ohne erkennbaren Grund auf
  • können individuell sehr unterschiedlich sein
  • sind abhängig vom Lebensalter der Betroffenen
  • werden durch bestimmte Provokationsfaktoren ausgelöst  

Wie kann Neurodermitis behandelt werden?

Die Therapie der Neurodermitis konzentriert sich vor allem darauf, die charakteristische Hauttrockenheit zu lindern und die betroffenen Hautpartien äußerlich mit entzündungshemmenden Wirkstoffen zu behandeln. Im Mittelpunkt einer symptomatischen Behandlung der Neurodermitis steht in jedem Fall das Bestreben, die Barrierefunktion der Haut so weit wie möglich zu stabilisieren, damit diese weniger empfindlich auf Irritationen und eindringende Allergene reagiert. Dafür werden vor allem Lotionen, Salben und Cremes verwendet. Zur Rückfettung der Haut kommen darüber hinaus auch Ölbäder in Betracht.

Ist die Haut übermäßig von Bakterien oder Pilzen besiedelt, werden infektionshemmende oder antimykotische Salben verordnet. Bei nässenden Ekzemen kommen dagegen gerbstoffhaltige Präparate zum Einsatz, die austrocknend wirken, den Juckreiz lindern und auch eine leicht entzündungshemmende Wirkung haben. Bei stärkeren entzündlichen Symptomen bekommen die betreffenden Patienten auch Salben, die Immunsuppressiva - meist Glucocorticoide - enthalten.

Bei schwereren Erkrankungen an Neurodermitis können auch Medikamente zur inneren Anwendung verabreicht werden. So kann Juckreiz durch Einnahme von Antihistaminika gelindert werden, und bei besonders ausgedehnten Ekzemen können Kortisongaben erfolgen. Cyclosporin A, das auch in der Transplantationsmedizin eingesetzt wird, bleibt wegen der damit verbundenen Nebenwirkungen nur schwersten Formen atopischer Ekzeme vorbehalten. Bestehen Allergien oder wird aufgrund der Erfahrungen des Patienten vermutet, dass bestimmte Provokationsfaktoren als Auslöser wirken, dann sollten diese so weit wie möglich gemieden werden.

Besonders wichtig ist eine schonende Hautpflege, die auf alkalische Reinigungspräparate ebenso verzichtet wie auf zu heißes oder zu kaltes Wasser. Patienten mit Neurodermitis sollten nur kurz und nicht zu häufig baden oder duschen. Bei Kleidung und Bettwäsche sollten glatte, weiche Materialien wie Baumwolle bevorzugt, Wolle oder Frottee hingegen gemieden werden. Beim Wäschewaschen sollten Neurodermitis-Patienten auf Weichspüler verzichten und milde Waschmittel ohne Geruchsstoffe bevorzugen.

Lichttherapie, Vitamin-D- und Vitamin-E-Gaben sowie verschiedene alternativmedizinische Therapien finden bei Neurodermitis ebenfalls Anwendung, wobei insbesondere bei Letzteren häufig wissenschaftliche Nachweise für die Wirksamkeit fehlen. Allerdings stehen Ärzte und Patienten bei der Behandlung des atopischen Ekzems oft vor dem Problem, dass die Krankheitsschübe meist ohne erkennbaren Grund einsetzen und enden. Außerdem sind die Symptome individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt. Das erschwert es, die tatsächliche Wirksamkeit einzelner therapeutischer Maßnahmen zu beurteilen. Es ist deshalb durchaus sinnvoll, verschiedene Maßnahmen auszuprobieren und die Behandlung im Einzelfall an den dabei gewonnenen Erfahrungen zu orientieren.

Neurodermitis - lästig, aber behandelbar

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass eine Neurodermitiserkrankung zwar nicht heilbar ist und durch ihre lästigen Symptome für einen erheblichen Leidensdruck sorgen kann, eine entsprechende Behandlung jedoch in vielen Fällen zu einer wirksamen Linderung der Symptome führt. Zudem vermindern sich die Symptome bei vielen Betroffenen mit zunehmendem Lebensalter oder verschwinden mit dem Eintritt in die Pubertät völlig. 

Letztes Update: 28/01/2019